> > > > > 05.12.2012
Freitag, 24. Oktober 2014

Repertoireaufführung in der Bayerischen Staatsoper

Bezaubernde 'Zauberflöte'

Auch knapp 35 Jahre nach der Premiere ist es immer wieder ein Vergnügen, Wolfgang Amadeus Mozarts 'Zauberflöte' in der Bayerischen Staatsoper zu sehen. Die Inszenierung stammt von August Everding, das Bühnenbild und die Kostüme von Jürgen Rose. Da sich über die Jahrzehnte ein Grauschleier über die Produktion gelegt hatte, wurde sie 2004 von Helmut Lehberger frisch einstudiert; vor allem wurden aber das Bühnenbild und die Kostüme überarbeitet, teilweise auch neu hergestellt, so dass die Oper nun in frischen Farben leuchtet.

Bei Everding wird die Handlung nicht gedeutet oder interpretiert, er erzählt die Geschichte recht gradlinig, mit ebenso viel Charme und Witz wie mit Ernst und etwas Pathos. Dass die Inszenierung so gut funktioniert und jungen wie alten Menschen geleichermaßen gefällt, liegt nicht zuletzt an dem poetischen Bühnenbild von Jürgen Rose, der mit vielen Prospekten einen Theaterzauber entfaltet.

Gesungen wurde ausgesprochen gut. Hanna-Elisabeth Müller, Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper, sang mit klarer und kräftiger, aber nie harter Stimme eine ausdrucksstarke Pamina. Lediglich in ihrer großen Arie 'Ach, ich fühl‘s' verengte sich ihre Stimme in den oberen Lagen etwas unschön. Pavol Breslik gibt mit seinem leicht metallisch gefärbten Mozarttenor einen heldenhaften Tamino, Erika Miklósa sang eine etwas zurückhaltende Königin der Nacht; bei ihrer ersten Arie rührte die Interpretation noch an, bei ihrer zweiten Arie hätte man sich mehr Kraft und Energie im Ausdruck gewünscht. Georg Zeppenfeld verströmt einen sonoren, dunklen Bass, der der etwas holzschnittartigen Rolle des Sarastro angemessen ist. Der Italiener Alex Esposito, dessen Papageno mit seiner witzigen Stehgreifkomik eher der Comedia dell'arte als dem Wiener Volkstheater entsprungen zu sein schien, hat eine kernige und volle Stimme, die bestens zur Rolle passt. Leider konnte man seine Dialogpartien nicht immer klar verstehen – was vor allem die Kinder, die neben mir saßen, hörbar enttäuschte. Auch die Nebenrollen waren ausgesprochen gut besetzt.

Dass der Abend trotz allem nicht vollständig mitreißen konnte, lag vor allem an dem Dirigat von Asher Fisch. Man erwartet bei einer Repertoireaufführung sicherlich keine ausgefeilten Details, aber ganz so dynamisch undifferenziert und teilweise auch unkoordiniert sollte es nun doch nicht zugehen. Vor allem aber wählte Fisch an wenigen Stellen derart langsame Tempi, dass die Musik zu erstarren drohte. So geriet der Beginn der Ouvertüre ausgesprochen zäh und beim Duett 'Bei Männern, welche Liebe fühlen' drosselte er das Tempo derart, dass Esposito offenbar irritiert sogar einen Einsatz verpasste.

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Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt

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Mozart: Die Zauberflöte: Bayerische Staatsoper

Ort: Bayerische Staatsoper, 05.12.2012

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Jürgen Rose (Bühnenbild), Asher Fisch (Dirigent), August Everding (Inszenierung), Bayerisches Staatsorchester (Orchester), Georg Zeppenfeld (Solist Gesang), Erika Miklosa (Solist Gesang), Pavol Breslik (Solist Gesang)

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