Innsbruck > Tiroler Landestheater (TLT) - 25.08.2005 29. Innsbrucker Festwochen > Franceso Conti und die Wiener Hofoper
Kritik von Boris Michael Gruhl
Unter dem Titel ‘Die Wiener Hofoper’ gab das diesjährige ‘Opernorchester’ der Innsbrucker Festwochen ein Konzert mit deutlichen Bezügen zur aktuellen Opernproduktion, die eine erneute Begegnung mit dem bereits 1995 zurück gewonnenen Werk ‘Don Chisciotte in Sierra Morena’, von Francesco Conti, aus dem Jahre 1719, bringt.
Passend zum Programm wählte das Festwochenteam als Ort das Tiroler Landestheater, das nun wieder, nach umfassender Sanierung innen und außen, seine Besucher freundlich anstrahlt.
Das Konzert unter dem Titel ‘Die Wiener Hofoper’ stellte in seiner Auswahl Bezüge zum Komponisten Conti und insbesondere auch zu seiner Oper ‘Don Chisciotte in Sierra Morena’ her.
Welch ein Auftakt! Stilsicher, elegant und temperamentvoll geführt vom Konzertmeister Bernhard Forck musizierten die Mitglieder der Berliner Akademie für Alte Musik Georg Friedrich Händels Ouvertüre zur Oper ‘Rodrigo’. Vom ersten Takt an erleben wir die viel gerühmte, begeisternde und lustvolle Kommunikation eines Ensembles, der sich die Hörerschaft nicht entziehen mag. Dazu kommen die Tugenden des so zarten wie vehementen Ensemblespiels, das Nachspüren sowohl leicht hörbarer als auch zunächst verborgener Klangwege der fein gewebten Partitur in den acht tänzerischen Sätzen der Suite Händels.
Mit Contis "Cantata prima" für Sopran, Chalumeau, Laute, Oboen, Streicher und Basso continuo ‘Lontananza dell´ amato” fand das Konzert seine Fortsetzung.
Eine zärtliche Nachtigallenklage über die Ferne des Geliebten mit drei Arien und zwei Rezitativen.
Ein sensibles Klangbild ergab die Aufstellung der Musizierenden. Die Sopranistin Sunhae Im stand vor Laute und Continuogruppe, links und rechts von ihr am Bühneportal der Flötist und der Spieler des Chalumeau, ein kurzes Holzinstrument, Vorform einer Klarinette, mit lieblichem, dabei nicht unenergischem Ton.
Einer ungemein zartfühlenden Arie folgt ein klagendes Rezitativ. Das folgende Allegro ist von besonderem Reiz. Den Gesang im raschen Flug der Nachtigal illustriert die Musik mit hauchfeinen Klangbildern beider Holzblasinstrumente im Verein mit der zarten Laute und sehr raffinierten, minimalistischen Streicherfiguren.
Ein Rezitativ mit der Vorahnung des harmonischen Schlusses und ein zweites Allegro, in dem das frohe Herz und das unvergleichliche Vergnügen darüber besungen werden, wenn der Wert des Guten auf das Böse folgt.
Gern hörte man, eingebettet in die nochmals so exzellent dargebotene Musizierkunst der Akademiemitglieder und ihrer solistisch konzertierenden Kollegen, die Sängerin mit ihrer klaren, leicht geführten Sopransimme.
Nach der Pause ein Feuerwerk barocker, humorvoller und raffinierter Programmmusik. Georg Philipp Telemann, durch Contis Oper angeregt, schrieb die hinreißende Burlesque de Quixotte G-Dur.
Was heißt hier ‘Alte Musik’ ?, so mag man sich fragen angesichts eines so sprühenden und im allerbesten Sinne unterhaltsam, dabei hoch intelligent und artifiziell dargebotenen Spaßes über die große tragikomische Gestalt der Weltliteratur.
Telemanns Kunst der Illustration, erzählender Schilderungen, der Stimmungsbilder ist reich. Die Darbietungskunst der Musikerinnen und Musiker um ihren Konzertmeister Bernhard Forck ebenso, und noch reicher sind am Ende wir, die Beschenkten dieses Abends.
Nach einer theatralen Ouvertüre erwacht Don Quixotte bei Telemanns zarten und liebevollen Tönen. In kräftigen Klangfarben schildert er den Kampf mit den Windmühlen und hat betörende und sehnsuchtsvolle Klänge für des Ritters Verlangen nach der angebeteten Prinzessin Dulcinea. In den Sancho Pansa gewidmeten Klängen meint man dessen gutes Herz schlagen zu hören und in burlesker Sinnlichkeit springt des treuen Dieners Esel über Oktaven, Stock und Stein, der so gemessen wie melancholisch schreitenden Rosinante hinterher.
Und weil eben unser großer Ritter mehr träumt als lebt, gibt es als Überraschung zum Finale die Musik seines Schlafes wesentlich temperamentvoller und rhythmischer als die seines Erwachens.
Diesem sprühenden Spaß folgte ein weiterer, das Intermezzo für Sopran und Bariton ‘Pampalugo vestito da Papagallo, e poi, Galantina con una Comparsa’ aus der Oper ‘Teseo in Creta’ von Francesco Conti.
In einer raschen Folge aus Arien und Duetten erleben wir den vergeblichen Versuch Papalugos seiner angebeteten Palantina zu gefallen und dies sogar dadurch, dass er sich in ihr vermeintliches Lieblingstier, einen Papageien, verkleidet. Das bringt dem unglücklich Verliebten und albern Verkleideten das ersehnte Glück schon gar nicht, denn die verehrte Schöne besteht darauf, den komischen Vogel auch fernerhin – wie leider üblich – angekettet, im Käfig zu halten. Der Bariton Fulvio Bettini und die Sopranistin Sunhae Im geben sich gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern dem Spaß aus vollem Herzen und mit geläufigen Stimmen hin, das Publikum jubelt und bekommt das buffoneske Schlussduett als Zugabe dieses großen Abends mit kleinen Kostbarkeiten.
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