> > > > > 02.12.2009
Sonntag, 23. November 2014

 Freiburger Barockorchester

Carolyn Sampson und das FBO

Three English Orpheuses

Sowohl Henry Purcell (1659-1695) als auch Georg Friedrich Händel (1685-1759) erhielten von ihren Zeitgenossen auf der Insel den anerkennenden Beinamen ‚The English Orpheus’. Wer an diesem Konzertabend mit dem Freiburger Barockorchester in Freiburg zugegen war, konnte eine vorübergehende Erweiterung jenes orphischen Kreises um eine Person erleben. Denn ob dem Gesang der englischen Sopranistin Carolyn Sampson wegen seiner Schönheit auch Tiere, Pflanzen und Steine zuhören, wie es einst Orpheus geschah, ließ sich im lediglich mit Menschen gefüllten ausverkauften Konzerthaus zwar nicht überprüfen, glauben aber wollte man es gerne. Dass die Kombination der Sopranistin Carolyn Sampson mit dem Freiburger Barockorchester eine traumhafte ist, dessen konnte man sich bereits in der Vergangenheit versichern. Wohl noch nie aber hatten beide einen gesamten Konzertabend miteinander bestritten. Ein in seiner Vielgestaltigkeit für Kurzweil sorgendes, sozusagen rein englisches Purcell- und Händel-Programm aus 15 Arien und fünf Instrumentalwerken änderte nun diesen Umstand.

Das eher selten gespielte 'Mr. Handel's Water piece' für Trompete, Streicher und Basso continuo etwa ist alleine schon darum ein Kuriosum, weil nur der erste und der letzte der fünf Sätze von Händel stammen. Den durchaus schön anzuhörenden Rest hat man dem Wahlengländer aus Halle an der Saale unter falschem Namen untergeschoben, worin ein Hinweis auf die große, verkaufsfördernde Popularität zu sehen ist, die Händel unter anderem mit seiner 'Water Music' zu Lebzeiten genoss. Der Trompeter Friedemann Immer spielte nicht nur im 'Water piece', sondern ebenfalls in der 'Trumpet Overture' in D-Dur aus Purcells 'The Fairy Queen' und der C-Dur-Sinfonie aus 'The Indian Queen' an diesem Abend eine solistische Rolle. Gleichwohl ereignete sich der wohl glänzendste Höhepunkt erst ganz am Ende, während der zweiten Zugabe, dem 'Eternal Source of Light divine' aus Händels 'Birthday Ode for Queen Anne'. Hier dialogisierte Immers strahlend helle Barocktrompete so wunderbar mit Sampsons himmlisch weichem Sopran, dass Queen Anne sicher ihre Freude daran gehabt hätte. Gewissermaßen stellvertretend für die Königin bedankte sich das Publikum im Anschluss mit stehenden Ovationen. Zuvor hatte Sampson, die sich in schwarzem Kleid und weinrotem Schnürkorsett präsentierte, im Da capo-Teil von 'Voglio amare infin ch'io moro' aus 'Partenope' HWV 27 noch einmal ihr Können mit raschen Koloraturketten und einem unter die Haut gehenden Schlusston in den höchsten Höhen unter Beweis gestellt.

Insgesamt zielte die Stückeauswahl weniger auf Furor und Dramatik als auf melodisch einprägsame, bei Purcell eher volksliedhafte Nummern und dichte, emotional aufgeladene Stimmungsbilder bei Händel. Durch den Verzicht auf allzu plakative technische Artistik, die bei Sampson – gar keine Frage – ohnehin jederzeit abrufbar ist, wurde der Focus bei Purcell mehr auf das Liedhafte, bei Händel mehr auf den Affekt gelenkt. 'O let me weep' aus Purcells 'The Fairy Queen' etwa berührte dank Sampsons meisterlicher Messa di voce und einem Tonfall sanfter Verzweiflung, der ebenso Stefan Mühleisens begleitendes Cellosolo prägte. Das hinsichtlich der Intensität bei Händel korrespondierende Gegenstück bildete das mit Innigkeit vorgetragene 'Tu de Ciel ministro elettro' aus 'Il trionfo del tempo e del disinganno' HWV 46a. Dazu bot das aus triumphaler Gestik bestehende 'War, he sung, is toil and trouble' aus 'Alexander's Feast'  HWV 75 den Kontrast. Geradezu als eine Art Personifizierung musikalischer Feurigkeit agierte an der Barockvioline stimmführend Petra Müllejans, was sich unter anderem in der motorischen Prägnanz ausdrückte, mit der sie allen Musizierenden voran die Chaconne aus der 'First music' von Purcells 'King Arthur' gestaltete. Zu Einsichten in Händels Fugenkunst gelangte man hingegen im wunderbar transparent gegebenen Mittelteil der Ouvertüre aus 'Alexander´s Feast' HWV 75.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Fairest Isle: Abonnement-Konzert Nr. 3

Ort: Konzerthaus, 02.12.2009

Werke von: Georg Friedrich Händel, Henry Purcell

Mitwirkende: Freiburger Barockorchester (Orchester), Carolyn Sampson (Solist Gesang)

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