Wien > Konzerthaus - 25.01.2009 Vivaldis 'Ercole sul Termodonte' > Konzerthaus in Wien am 25.1.2009
Kritik zu Vivaldis 'Ercole sul Termodonte' (Konzerthaus Wien)
Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt
Vivaldis 'Ercole sul Termodonte‘, Herkules am Termondon also, erzählt die Geschichte des Kampfes von Herkules und seinen griechischen Gefolgsleuten Theseus, Alkestes und Telamon mit den Amazonen, die von Antiope angeführt werden. Dass der Kampf dann doch nicht ganz so läuft, wie es sich Herkules und Antiope eigentlich gewünscht hätten, liegt an den Verführungen der Liebe: Statt sich auf die Tugend des Krieges zu besinnen, verfallen Theseus, Alkestes und Telamon den schönen und wilden Amazonen. Und auch diese sind von den Männern - sehr zu Antiopes Unbehagen - durchaus fasziniert. Mit einer Doppelhochzeit und einem Friedenschluss endet die Oper denn auch nach gut drei Stunden.
Um die Unfähigkeit der griechischen Helden zum harten und entbehrungsreichen Kampf auszudrücken, hat Vivaldi die Partitur - mit der Ausnahme von Herkules und Telamon, beides Tenorstimmen - ausnahmslos für hohe Stimmen geschrieben, was am Ort der Uraufführung (Rom im Jahr 1723) bedeutete, dass die Oper mit sechs Kastraten besetzt gewesen ist: Vier für die Amazonen, zwei für Theseus und Alkestis. Die konzertante Aufführung im Wiener Konzerthaus war mit nur einem Countertenor prominent besetzt: Philippe Jaroussky als Alkestes. Jaroussky und Romina Basso als Theseus, die mit ihrer warmen, tiefen, vollen Stimme ihrem Nachnamen alle Ehre macht, waren denn auch die Stars den Abends. Carlo Allemanos schwere und baritonal gefärbte Tenorstimme gibt eigentlich einen guten Herkules - allerdings hatte er Mühe mit der Geläufigkeit, die die Partie auch verlangt. Filippo Adami überzeugte vor allem in den Rezitativen mit einem Tenor mit italianitá - seine einzige Arie im zweiten Akt überforderte ihn aber hörbar.
Vivica Genaux als Antiope enttäuschte. Ihr streckenweise geradezu metallischer Mezzosopran ist für die Gestaltung der gewaltbereiten Amazonenherrscherin zwar bestens prädestiniert, aber ihr fehlte - vor allem in ihrer großen Arie im dritten Akt - schlicht die Durchschlagskraft. Stefanie Irányi als Martesia und Emanuella Galli als Oreithyia machten ihre Sache gut, aber vor allem Roberta Invernizzi als Hippolyta mit ihrer dramatischen, aber dabei ganz unpathetischen Sopranstimme, gelang es, zumindest einen Punkt für die Amazonen zu holen.
Dass der Abend streckenweise mühsam und zäh geriet - nicht wenige freie Plätze konnte man vor allem nach der zweiten Pause sehen -, lag nicht an den Sängern, sondern an Fabio Biondi mit seiner Europa Galante. Die Rezitativbegleitung war, gemessen an den Möglichkeiten, die beispielsweise das Ensemble Matheus oder Les Art Florissant deutlich machen, streckenweise reiz- und phantasielos. Biondi mag ein wunderbarer Geiger sein, sein Dirigat wirkte streckenweise gezwungen und gewollt. Statt der Musik Vivaldis Leichtigkeit und Elan zu verleihen, setzte er auf Tempo und Lautstärke und überdeckte damit nicht selten die Sänger. Die Hörner kamen seinen Tempovorgaben kaum noch hinterher. Vor allem wirkten viele musikalische Phrasen zu wenig durchdacht und ausgearbeitet. Europa Galante spielte alles andere als galant - die Sänger wurden nicht eigentlich begleitet, sondern man spielte mit den Sängern mit, oft eben partiturgemäß dieselbe Melodie, ohne dass auch hier eine Detailabstimmung erfolgt wäre. Der Gesamtklang war oft verwaschen und zu basslastig. Da Biondi Vivaldis selten gespielte Oper demnächst auf CD einspielen wird, sei ihm noch viel Detailarbeit ans Herz gelegt. Herzlicher Applaus, der aber auch zeigt, dass der Funke Vivaldis nicht wirklich gezündet ist.
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