Dresden > Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper) - 02.10.2009 Sächsische Staatsoper Dresden > Verdi: 'La traviata'
Kritik von Boris Michael Gruhl
Viel ist nicht zu sagen. Es hat nicht geklappt. Das Züricher Zukunftsteam, Andreas Homoki und Fabio Luisi, hat in Dresden keine zukunftsweisende Inszenierung von Verdis 'La traviata' geliefert. Chor, Solisten und Statisten als grelle Partyschickeria zu verkleiden und ein paar Anspielungen auf mehr oder weniger bekannte, lebende und tote, Klatschspaltenfüller dabei zu haben, macht noch kein zeitgemäßes Musiktheater aus, wenn am Ende doch die üblichen, rampennahen Klischees überwiegen.
In Andreas Homokis Dresdner Neuinszenierung, vorwiegend vor einer roten Wellblechwand von Frank Philipp Schlößmann angesiedelt, muss Violetta Valéry als hilfloses Abbild einer Amy Winehouse-Idee chargieren. Alfredo ist ein netter junger Typ von nebenan, trägt Jeans und ein kariertes Hemd und ist aus unerklärlichen Gründen so naiv, auf die biedere Erpressung seines gewalttätigen Papas hereinzufallen und um der Zukunft seiner graumäusigen Schwester willen die Frau, die er zu lieben meint, fallen zu lassen. Über deren Vergangenheit hat sich der Papa im Tagesblatt mit den großen Buchstaben kundig gemacht.
Wenn hier gefeiert wird, wird nicht getrunken und getanzt, es wird gekokst und gebumst, man spielt blinde Kuh, und ein paar Statisten in mehr oder weniger appetitlichen Unterhosen verbreiten die Erotik erkalteter Ofenrohre. Geschmack hat man nicht, aber Knete in Hülle und Fülle, man lässt sich bewachen von dunklen Security-Boys. Na prima. Gesellschaftkritik, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist es wieder da, das gute alte Theater mit dem Holzhammer und dem Zeigefinger, der uns den Blick weist, die Bösen ja zu erkennen. Das geht nicht gut, es endet tödlich, für Emy-Violetta Winehouse-Valéry, die sich eine Drogentherapie nicht mehr leisten kann.
Verdis Musik rettet nur bedingt, was die Szene versagt. Zunächst brauchen die Damen und Herren der Staatskapelle unter der Leitung von Fabio Luisi ziemlich lange im ohnehin kurzen Vorspiel, bis sie zum Zusammenspiel finden. Dann bleibt es bei sehr stark zurückgenommenen Begleitfunktionen, der Dirigent hat hart zu koordinieren, hält am Ende aber doch immer wieder zusammen, was nicht immer gänzlich zueinander will.
Rebecca Nelsen als Violetta findet erst im letzten Bild, wenn sie frei ist von den Verkleidungsklischees, zu wahrhaft berührenden Tönen. Wookyung Kim, nach anfänglichen Unsicherheiten, wird als Alfredo zum gesanglichen Ereignis des Abends. Roberto Servile bleibt mit seiner rauen und angestrengten Tongebung der Partie des Giorgio Germont so gut wie alles schuldig. Unterschiedlich die Leistungen der Ensemblemitglieder, markante Rollenporträts lässt die Regie nicht zu. Pablo Assante stellt sich mit dieser Premiere als neuer Dresdner Chordirektor vor.
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