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Donnerstag, 30. Oktober 2014

Bachwoche Ansbach neue Aspekte fr 2007

Fantastische Klanglandschaften

Der Wechsel in der Intendanz bei der Bachwoche Ansbach hinterlsst einen bitteren Nachgeschmack.

Das hat es bis jetzt in der 60-jhrigen Tradition der AnsBACHwoche noch nicht gegeben: eine Intendanten-Zeit, die gerade mal drei Spielzeiten whrte. Bekanntlich wurde Lotte Thaler, Leiterin der Sparte Kammermusik beim SWR Baden-Baden, 2001 zur knstlerischen Leiterin und Geschftsfhrerin der Bachwoche bestellt. Mit einer abwechslungsreich gestalteten, auf ein breiteres Publikum zielenden programmatischen Konzeption gewann das Festival nach einer Zeit des Stillstandes zusehends Profil. Auch das Erscheinungsbild wurde moderner, dynamischer gestylt. Als Lotte Thaler 2006 fr lngere Zeit erkrankte, lie sie durch ihr Bro ausdrcklich wissen, dass sie nach Wiedergenesung in jedem Falle ihre Arbeit fortsetzen wolle. Von den Vorstnden Carl-L. von Boehm-Bezing und Gnter Fabricius wurde dies wohlwollend zur Kenntnis genommen und eine Option fr die Verlngerung ihres Vertrages ber das Jahr 2007 in Aussicht gestellt.

Gleichwohl wurde einer Pressemeldung zufolge Andreas Bomba im April 2006 zum neuen Intendanten bestellt. Lotte Thaler wurde zwar von der Geschftsfhrung, aber nicht von der knstlerischen Leitung entbunden. Damit schlitterte die Bachwoche Ansbach GmbH vertragsrechtlich in eine brisante juristische Situation. Denn de facto war die Bachwoche nach der Ernennung von Andreas Bomba nun mit zwei Intendanten besetzt - einmal mit Lotte Thaler (ihr Vertrag lief noch bis Ende 2007) und mit Andreas Bomba. Die Konstellation lst Erstaunen aus. In der Pressekonferenz fanden sich aufgrund bohrender Nachfrage eines Pressevertreters der Geschftsfhrer der Freunde der Bachwoche Ansbach e. V. Gnter Fabricius sowie Ansbachs Oberbrgermeister Ralf Felber nur zgerlich zu einer Auskunft bereit, verbunden mit dem Eingestndnis, dass man wohl juristisch ins Fettnpfchen getreten war und die Sache wie heute in vertraglicher Praxis so blich finanziell zu regulieren wusste. Aus anderer gut unterrichteter Quelle verlautete: Es sei fr die Bachwoche keine billige Lsung gefunden worden. So gesehen bleibt es ein Rtsel, warum die Bachwoche die finanzielle Ablse einem regulren Vertragsende 2007 vorgezogen hat.

Der Fall Lotte Thaler hinterlsst einen bitteren Nachgeschmack. Warum war die Intendantin in Ungnade gefallen? Hatte es das weibliche Element auf Dauer schwer, die organisatorischen, letztlich auch innovativen knstlerischen Konzeptionen gegen die an der Spitze der Gremien agierenden mnnlichen Persnlichkeiten durchzusetzen? Oder war da gar Mobbing im Spiel? Bomba bestreitet allerdings jede Beteiligung an einem Putsch, betont in einem Interview mit der Nrnberger Zeitung, dass er in keinem Fall die treibende Kraft gewesen sei. Er habe mit der Intendantin im Zusammenhang mit einfhrenden Vortrgen und Verfassen von Texten fr die Programmhefte vertrauensvoll zusammengearbeitet. Entgegen der uerung des neuen Intendanten in der Pressekonferenz, die Planung fr die bevorstehende Bachwoche sei nur zu 40 % durch die Intendantin vorgenommen worden, legt Lotte Thaler auf die Feststellung wert, dass bis auf wenige Ausnahmen das komplette Programm (zu 95 %) von ihr bestckt worden war.

Wie geht es weiter in Ansbach? Tragende Sulen bilden die Orchesterkonzerte in der Orangerie. Angesagt haben sich u. a. Trevor Pinnock mit seinem neu formierten Brandenburg Orchestra, Mnchens Kammerorchester und The English Concert Choir and Orchestra sowie das Bach-Collegium Mnchen mit Florian Sonnleitner, Violine und Fltist Andras Adorjn.

Auch hoch motivierte junge Leute geben sich ein Stelldichein, z. B. der aufstrebende Cellist Johannes Moser. Als schner Beweis, wie reizvoll die Auseinandersetzung mit Bach fr die jngere Musikergeneration sein kann, mag das Forum gelten, das knftig Preistrgern von Wettbewerben gewhrt wird 2007 dem Cembalisten Jrg Halubek (Leipziger Bachpreistrger) sowie dem frischgebackenen Sieger des Pachelbel-Wettbewerbs, der anlsslich der Internationalen Orgelwoche in Nrnberg im Juni 2007 ermittelt wird. Apropos Orgel: mit vier Recitals soll sie ins Zentrum der Bachwoche 2007 rcken, nachdem die rekonstruierte 47 Register umfassende Wiegleb-Orgel in St. Gumbertus spielbereit sein wird.

Dass es ein Bach-Verstndnis ohne Kenntnis des Kantatenwerkes nicht geben kann, drfte das Heimspiel des Windsbacher Knabenchores mit Karl-Friedrich Beringer und den Deutschen Kammer-Virtuosen Berlin ins Bewusstsein der Hrer rcken. Mit Spannung erwartet Ansbach den Auftritt des Bachcollegiums Japan unter der Leitung von Maasaki Suzuki. In die illustre Solistengarde reiht sich der Pianist Evgeni Koroliov mit Franzsischen Suiten sowie Ravel, Debussy und Rameau-Programm. Der Pianist tritt des fteren in der Bach-Akademie Stuttgart auf.

Einen zeitgenssischen Kontrapunkt setzt die Hindemith-Preistrgerin Lera Auerbach mit ihrer Komposition Partita fr Violine solo interpretiert von Vadim Gluzman. Auf der populren Schiene feiert Jacques Loussiers Oldtimer Play Bach Comeback.

Dass der AnsBACHtag mit Kinderkonzert, in diesem Jahr auch mit Orgelprobe und Konzerten in der Synagoge, zum gelungenen, von Lotte Thaler initiierten Face-Lifting der Bachwoche gehrt, dafr steht die positive Resonanz in den letzten Jahren. Bayern4Klassik (Studio Franken) ldt mit Fantasie in die Karlshalle zu einer Wanderung durch Klanglandschaften in Gestalt eines Live-Features ein.

von Prof. Prof. Egon Bezold

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